Andacht

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Mitte Oktober hatte ich ein frustrierendes Erlebnis: Eigentlich war es ein schöner und warmer Herbsttag. Zusammen mit meiner Familie und mit Besuch, den wir bekommen hatten, wollte ich in der Nähe des Rudolfsteins beim Schneeberg im Fichtelgebirge klettern gehen. Am Parkplatz angekommen, machten wir uns voller Tatendrang auf den Weg zu den heißersehnten Felsen. Voller Motivation und Vorfreude liefen wir den Wanderweg entlang. Irgendwann wurde mir der Zuweg dann aber doch zu lang und ich schaute noch mal auf die Karte … um mit Erschrecken festzustellen, dass wir schon ziemlich am Anfang des Weges einen Abzweig übersehen hatten. Wir waren völlig falsch gelaufen und mussten fast den ganzen Weg zurücklaufen um erst mal wieder auf den richtigen Weg zu kommen. Mit einem großen Zeitverlust erreichten wir schließlich unser Ziel – aber Klettern war an diesem Tag nicht mehr möglich. Wir waren einfach zu spät am Ziel.

Für mich besonders ärgerlich: Eigentlich habe ich eine sehr gute Orientierung. Doch manchmal bedarf es offensichtlich doch eines Blicks auf die Karte, um die Orientierung nicht zu verlieren und zügig am Ziel anzukommen.

Während nun mein oben beschriebenes Erlebnis vielleicht den einen oder anderen zum Schmunzeln bringt, kann es im „echten Leben“ richtig hart werden, wenn wir hier die Orientierung verlieren.

Die meisten von uns haben in ihrem Leben bestimmte Ziele, die sie gern erreichen wollen: in ihrer Freizeit, im Blick auf ihre Familie, im Berufsleben oder auch im Persönlichen. Was aber geschieht, wenn ich mein Ziel nicht erreiche und wenn ich auch keine Idee mehr habe, wie ich dieses Ziel erreichen kann?

Dazu kommen die Dinge, zu denen Gott uns persönlich aber auch als Gemeinde berufen hat. Was ist, wenn wir hier steckenbleiben und nicht wissen, wie es weitergehen soll?

Manchmal wissen wir nicht weiter. Das kann verunsichern, Angst machen, frustrieren oder auch Wut verursachen. In solchen Situationen hilft uns das Hören auf Gottes Wort, der Blick in die „Karte Gottes“: die Bibel. Die Bibel bietet uns Orientierung für unser Leben – manchmal auch eine heilsame Zielkorrektur.

Freilich: nicht jeder kann Karten lesen. Das muss man auch erst einmal lernen. Aber ich kann Menschen fragen, die Karten lesen können, um doch weiter zu kommen.

In der Weihnachtsgeschichte (Matthäusevangelium, Kapitel 2) sind es die Weisen aus dem Morgenland, die auf ihrer Suche nach dem „neugeborenen König“ die Orientierung verlieren und zunächst am falschen Ort, bei König Herodes, aufschlagen. Doch hier werden sie nicht fündig. Erst durch ein Wort aus der Bibel werden sie an den richtigen Ort, nach Bethlehem, geführt. Durch die Bibel finden sie die Orientierung wieder – den Stern, der sie zum Ziel führt: zum Heiland der Welt.

Dieses Ziel sollte keiner verpassen.

Gottes Segen und gute Orientierung wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Jan Dechert